Die Aufhängung des Hinterachsdifferentials

Das Hinterachsdifferential wird einerseits am oberen hinteren Federquerträger gehalten, andererseits erfolgt eine Verschraubung am hinteren Querträger. An allen drei Befestigungspunkten wird das Differential mit Gummimetallverbindungen befestigt.

Sowohl das Differential, als auch das Gehäuse und die Art der Befestigung haben sich im Laufe der Entwicklung und der Bauzeit permanent verändert.

Das ursprüngliche Hinterachsdifferential stammt vom Typ F 5. Die letzte Version für die Fertigung stammt aus Februar 1956.

Während der Fertigungszeit von September 1956 bis Dezember 1968 ergaben sich folgende Änderungen:

• Februar 1957 Änderung Differential vorn und hinten

• 09.05.1957 Drahtsicherung an der oberen Differentialaufhängung ab Fahrgestellnummer 3050 02151

• 11.12.1957 Änderung Differentialgehäuse vorn und hinten, ab Fahrgestellnummer 3050 6001

• 26.06.1958 Gummilager des Differentials verändert ab Fahrgestellnummer 3050 6934 bzw. 6951

• 13.08.1958 Differentialgehäuse erneut verändert, Aufhängungen oben und unten verändert, Fahrgestellnummer 3050 7279

• 05.11.1958 Differentialgehäuse verändert ab Fahrgestellnummer 3050 7419 bzw. 3036 00 0570

• Oktober 1959 Differentialdeckel verändert

Weitere Änderungen betreffen nicht das Gehäuse oder die Aufhängung.

Das Hinterachs- bzw. Differentialgehäuse wurde ursprünglich unter der Teilenummer 3050 232 02 00 geführt, nach den obigen Änderungen ist die Teilenummer 3035 232 02 10 grundsätzlich für alle Typen und Ausführungen relevant. Für den Bereich der Bundeswehr wurde die anfängliche Lagerhaltung des Gehäuses aufgegeben, da bei größeren Defekten am Differential ein komplettes Austauschteil zu montieren war und Ausbaugeräte der Hauptinstandsetzung zuzuführen waren.

Bereits im Rahmen der Testphasen bis Ende 1955 erfolgte die Differentiallagerung in Gummisilentblöcken, wobei bei der sogenannten „Andernacher Ausführung“ das Gummivolumen verstärkt war, da alle bisherigen Versionen äußerst unbefriedigend gelagert waren. Im Februar 1956 wurde die Hinterachsübersetzung auf 6:38 verändert, außerdem entfiel die Entlüftungsvariante und größere Gummipuffer wurden erneut montiert.Während der weiteren Testphasen ergaben sich Differentialgehäusebrüche an den früheren Aluminiumgehäusen, sodass ab Mai 1956 ein neues verstärktes Differenzial entwickelt wurde. Weitere Materialprobleme führten Anfang Juni zu einem erneuten Materialwechsel und eine Gehäuseverstärkung, nunmehr mit 2 Rippen. Außerdem wurde die Abdichtung der Wellen optimiert sowie eine verbesserte Aufhängung vorgenommen. Vorgabe war nun aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre die Serienfertigung mit einem Graugussgehäuse zu starten. Erst im August 1956 wurde das neue Gehäuse mit verstärktem Flansch aus Sphäroguss als dauerfest bezeichnet, sodass Ende August die ersten Ausführungen gegossen werden konnten.

Die ursprüngliche Befestigung bestand aus je 2 identischen Silentblöcken pro Seite mit der AU Teilenummer 3050 244 60 00. Bei einer Gesamtbreite von 39 mm, einem Innen- und Außenmaß von 13 mm, wurde der schwarze, ölbeständige und wetterfeste Weichgummi mit besonderer Shorehärte montiert.

Das obere Aufhängelager wurde bereits ab Mai 1957 mit einer zusätzlichen Drahtsicherung versehen. Die Befestigungsschrauben des Aufhängebockes wurden aus Sicherheitsgründen mit Draht gesichert. Es bestand die Auflage, im Rahmen der Überprüfung oder Instandsetzung diese Sicherung nachzurüsten.

Im praktischen Fahrbetrieb, insbesondere bei der Bundeswehr, zeigten sich zwischenzeitlich erhebliche Geräuschentwicklungen, sodass nochmals das Problem der Hinterachslagerung überprüft und optimiert wurde. Im Rahmen der Fertigung ab 26.6. 1958 wurde das bisherige Differential nunmehr mit je 2 unterschiedlichen Gummisilentblöcken ausgestattet.

Bereits im November 1957 wurde eine neue Gummimetallverbindung entwickelt und einige Monate getestet.

Die neue Fassung mit der AU Teilenummer 3035 244 60 10 hat nicht nur geänderte Maße, sondern auch Materialqualität und Shorehärte wurden verändert. Das Außenmaß beträgt nunmehr 40 mm, das Innenmaß 14,25 mm bzw. Toleranzmaß bis max. 14,5 mm. Während die Metallstärke oben 2 mm beträgt, ergibt sich ein Mindestmaß im unteren Bereich von 1,5 mm.

Die Bauhöhe betrug nunmehr 21 mm, die Gummihöhe 17 mm, das Gummiprofil ist unten weiterhin wie bisher abgewinkelt. Die maximale Gummibreite beträgt nunmehr 39 mm.

Das Material ist in Gi-Shore verändert worden; es ist jetzt öl-, benzin- und wetterbeständig.

Die Befestigung erfolgt nunmehr mit verlängerten Schrauben M 14 x 1,5 x 60.

Die Änderung wurden den Werkstätten mit Werkstattinformation H 1 / Nr. 15 von April 1958 mitgeteilt.

In dieser Anleitung finden sich allerdings wesentliche Fehler.

Einerseits ist erwähnt, dass das neue Gummilager 3035 244 60 10 unten zu montieren ist. Dies ist keinesfalls korrekt, denn die neue dickere Gummiverbindung muss (und kann) selbstverständlich nur oben sitzen. Zeichnungstechnisch ist dies in der obigen Anleitung korrekt dargestellt.

Ursprünglich war herstellerseits empfohlen worden, alle bisherigen Differentiale mit diesen neuen Silentblöcken auszurüsten. Auch diese Empfehlung hatte nicht lange Bestand, denn aufgrund weiterer Tests, insbesondere im Bereich der Bundeswehr, wurde die weitere Verwendung der erforderlichen Silentblöcke von dem Differentialgehäuse abhängig gemacht. Die Hinweise in den Ersatzteilkatalogen sind daher ebenfalls etwas irreführend, da selbstverständlich (wenn vielleicht auch nur theoretisch) auch neue Differentialgehäuse in alten Fahrzeugen montiert sein können – oder eben umgekehrt.

Im August 1958 ergab sich eine erneute Änderung der Befestigungsart. Das obere Aufhängelager wurde verändert. Der Silentblock wurde vom Durchmesser geringfügig vergrößert und geschlitzt geliefert, sodass durch die veränderte Form eine dauerhaft stabilere Befestigung erreicht wurde. Anstelle der bisherigen Sechskantschraube M 12 x 1,5 x 75 wurde nunmehr eine Schraube mit dem Längenmaß 80 montiert.

Fazit:

In den älteren Differentialgehäusen sollten weiterhin 4 identische Gummimetallverbindungen mit der Nummer 3050 244 60 00 montiert werden. Nur in Ausnahmefällen kann das Befestigungssystem auf 2 und 2 Blöcke, allerdings nur in Verbindung mit dem neuen oberen Halter und dem geschlitzten Silentblock, verwandt werden.


Ersatzteilversorgung:

Bei den einschlägigen Ersatzteilhändlern sind aktuell keine oder nur noch geringe Restbestände vorhanden. Hier und da werden auch Fremdteile angeboten, die nach unserer Auffassung passungenau sind und nicht die erforderliche Shorequalität aufweisen.

Bereits Mitte der 80er Jahre hat die MUNGA IG versucht, dieses wichtige Bauteil neu fertigen zu lassen. Der ursprüngliche Teilelieferant hatte seinerzeit keinerlei Restbestände mehr im Sortiment. Die zwingend erforderlichen Bauformen waren schon lange vernichtet. Eine Nachfertigung war bereits zum damaligen Zeitpunkt nicht zu realisieren, da allein die Werkzeugkosten einen vierstelligen Grundbetrag ergaben.

Der dünnere Block für die ältere Ausführung bzw. die untere Auflage mit der Teilenummer 3050 244 60 00 kann in Einzelfällen noch an Mitglieder vermittelt werden.

Einkaufsquellen für die neue Variante 3050 244 60 10 sind aktuell nicht bekannt.

Werksneues AT-Differential

© Ullrich Märker für MUNGA Interessengemeinschaft, November 2009

Nachdruck auch auszugsweise nur mit Genehmigung des Verfassers